Ich bin mit meinen Buchvorstellungen etwas in Verzug. Going Zero habe ich bereits im letzten Monat beendet – und war begeistert! Ein gut geschriebener Thriller, der mich an Dave Eggers The Circle erinnert hat. Going Zero fand ich aber sogar besser.
Anthony McCartens Roman denkt die modernen Überwachungsmöglichkeiten konsequent weiter. Das ist unglaublich nah an der Realität – ja, vielleicht ist es bereits real: Werden wir nicht schon alle durch unsere Handys und über unsere Social Media Aktivitäten überwacht?
Zum Inhalt
Der Multimilliardär Cy Baxter (der mich, denke ich, nicht ganz zufällig an Elon Musk erinnert…) lässt 10 Menschen an einem Programm teilnehmen, um eine neue Software zu testen. Die Ausgewählten haben den Auftrag, 30 Tage unauffindbar zu bleiben. Wer das schafft, erhält 3 Millionen Dollar als Preisgeld. Was nach leicht verdientem Geld klingt, birgt natürlich einen Haken: Cy Baxter besitzt eine neu entwickelte und hoch effiziente Spy-Software. Diese soll zeigen, dass es heutzutage unmöglich ist, sich erfolgreich vor der Polizei bzw. vor FBI oder CIA zu verstecken. Ziel ist es, die Software für viel Geld zu verkaufen, um das Land sicherer zu machen, um damit z. B. Terroristen und andere Staatsfeinde aufspüren zu können. Was erst einmal super klingt, hat natürlich – wie immer – zwei Seiten: auch unbescholtene Bürgerinnen und Bürger werden auf diese Weise bis in ihre intimste Privatssphäre hinein ausgespäht. Sogar Fernseher und andere WLAN-taugliche Geräte können als Abhörinstrument dienen.
Willkommen, Überwachungsstaat!
Was George Orwell in seinem Roman „1984“ („Big Brother is watching you“) als dystopische Zukunft in einem totalitären Staat beschrieben hat, bekommt durch die technischen Möglichkeiten heute eine ganz neue Brisanz. Ich kenne niemanden mehr, der nicht mit irgendeinem technischen Gerät ins WLAN eingeloggt ist. Und ist man erst einmal im Netz, lässt sich jede Spur zurückverfolgen.
Weil das so ist, versuchen die 10 Probanden in „Going Zero“ natürlich, das WLAN entweder zu meiden oder auszutricksen, indem sie sich z. B. neue Identitäten verschaffen. Das alles klingt einleuchtend, ist aber sehr schwer umzusetzen. Eine Person nach der anderen wird aufgespürt. Die Software ist in der Lage, unglaublich viele Details über Menschen und ihre Gewohnheiten zusammenzutragen: ihre musikalischen Vorlieben, welche Pizza sie bevorzugen, sogar am Gang kann man Personen auf Überwachungsvideos erkennen, auch wenn sie sich verkleidet haben.
Eine der 10 Testpersonen ist Kaitlyn. Kaitlyn ist Bibliothekarin, keine IT-Spezialistin oder Sicherheitsexpertin, von denen ebenfalls Personen in das Programm aufgenommen wurden. Kaitlyn versucht ihre Verfolger abzuschütteln, indem sie völlig anders agiert als sonst. Sie erfindet sich neu, wirft Gewohnheiten über Bord, flüchtet aus der Stadt und versteckt sich zunächst im Wald. Natürlich nutzt sie kein Smartphone. Sie bezahlt bar. Sie schafft es, unter dem Radar zu bleiben, bis sie einen Unfall hat und ins Krankenhaus gebracht wird. Obwohl von da an nicht mehr alles nach Kaitlyns Plan läuft, gelingt es ihr, die Verfolger, die ihr dicht auf den Fersen sind, immer wieder abzuschütteln.
Cy Baxter ist mehr als beunruhigt. Scheitert sein Projekt? Wer zur Hölle ist diese Frau, fragt er sich.
Mehr möchte ich nicht verraten. Der Plot schlägt noch ein paar sehr spannende Haken – wie Kaitlyn auch. Mich hat der Roman von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt. Er gibt einen hervorragenden Filmsstoff ab. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung und einen Daumen hoch für die gute Unterhaltung!