Dieses Buch lässt mich etwas ratlos zurück. Tolles Cover. Toller Titel. Interessante Autorin. Akwaeke Emezi wurde 1987 in Nigeria geboren. Sie beschreibt sich als „nonbinäre Person igbo-tamilischer Herkunft“. Ich erwartete eine moderne Geschichte, eine überraschende Geschichte, eine, die mit Witz und Ironie erzählt wird – zumindest habe ich das vom Titel auf den Inhalt geschlossen. Das alles bietet die Geschichte: …. nicht.
Erzählt wird eine Liebesgeschichte und die Verarbeitung von Trauer. Das klingt doch erst einmal nach einer interessanten Mischung. Beide Hauptpersonen, Fej und Aylim, haben ihre Partner verloren. Aylim vor mehr als 20 Jahren seine Frau. Fej vor 4 Jahren ihren Mann. Aylim könnte ihr Vater sein. Er ist ein prominenter Fernsehkoch. Reich und schön. Und eigentlich ist Fej die Freundin seines Sohnes, doch Aylim und Fej fühlen sich von Anfang an (Liebe auf den ersten Blick?) zueinander hingezogen, vielleicht weil sie ein ähnliches Schicksal teilen.
Was mich an der Geschichte gestört hat?
Wo fange ich an? Das Adjektiv aus dem Titel macht mich wütend: schön. Alle beschriebenen Figuren sind sooo schön. Perfekte Körper. Perfekte Haut, Haare, Lippen, Augen. Wunderschön. Diese wunderschönen Körper werden stets ins Szene gesetzt mit Gold und Bronze und allem möglichen Tand. Diese Fixierung auf Äußerlichkeiten mochte ich nicht. Und das Fej zu Beginn des Buches mit Milan eine rein sexuelle Beziehung hat und mit ihm beim ersten Kennenlernen auf der Toilette Sex hat, aber mit den beiden folgenden Männern über lange Zeit überhaupt keine sexuelle Beziehung eingeht und Sexualität problematisiert, kann ich auch nicht nachvollziehen. Tut es doch bitte einfach! Alles andere wirkt so konstruiert. Fej versagt sich erst bei Nasir und dann, als sie sich in dessen Vater verliebt, auch bei ihm den Sex, weil sie warten möchte, ob die Beziehung tiefer geht. Das wirkt, als wäre sie eine ganz andere Person als die von den ersten Buchseiten. Da hat sie die Sexualität genossen. Fej nimmt sich, was sie braucht. Das fand ich bemerkenswert und taff. Indem sie sich später die Sexualität versagt, steht die Erotik ständig im Raum, sehnsuchtsvoll und unerfüllt. Das kann durchaus ein plausibler Erzählstrang sein, passte aber – aus meiner Sicht – nicht zum Charakter der Personen und wie sie eingeführt wurden.
Die unkomplizierte und vor allem selbstbewusste Ausgabe von Fej, wie sie auf den ersten Buchseiten agiert, hat mich zumindest neugierig gemacht. Als sie dann mit Nasir und vor allem mit seinem Vater zusammenkommt, ist sie wie ausgewechselt: ständig zweifelnd an sich und der Welt, ständig hinterfragt sie sich und ihr Tun, sie scheint kein sehr hohes Sebstwertgefühl zu besitzen – bzw. knüpft dieses an das Bild, das die Männer von ihr haben. Wie seltsam ist das? Die Männer müssen ihr ständig versichern, wie schön sie ist, wie talentiert, wie toll …
Letztlich ist es eine Geschichte um eine junge Frau, noch keine Dreißig, die bereits einen großen Verlust erlebt hat, den Unfalltod ihres Ehemannes, und die nach der Trauer zum ersten Mal wieder richtig verliebt ist: in einen 20 Jahre älteren, reichen Mann. Klischee? Klischee! Die Figuren wehren sich mit Händen und Füßen gegen die Klischeeschublade. Hilft aber nicht.
Wo die Liebe hinfällt? Geschenkt.
„Ein Muss für unsere diverse, queere, vielfältige Generation.“ (Florian Valerius) Was an der Geschichte nun „divers“ oder „queer“ ist, weiß ich nicht. Ich denke, wenn man aus diesen Motiven zu einem Roman von Akwaeke Emezi greift, sollte man ein früheres Werk wählen.