Mittlerweile fühlt es sich wie eine Feldstudie an – ich bin mir nur nicht sicher, welches Feld genau ich untersuche, das so gar nicht meinen bisherigen Leseinteressen entspricht und mich dennoch fasziniert: Young Adult Romane? Liebesromane? Oder Bestsellerautorinnen? Alle drei Kategorien treffen auf Ali Hazelwood zu. In der letzten Woche erschien ihr neuer Roman „Check and Mate“. Und sofort ist das Cover omnipräsent, ganz gleich ob Bahnhofsbuchhandlung oder Insta-Post. Eine Autorin mit Bestsellergarantie. Dabei ist das neueste Werk mit ihren bisherigen Romanen nicht zu vergleichen. Und das Cover kommt viel „süßlicher“ daher als der Inhalt.
Inhalt
Mallory arbeitet in einer Werkstatt und repariert Autos. Sie ist 18 und der Hauptverdiener der Familie. Abends kommt sie mit ölverschmierten Händen nach Hause – dabei sollte sie eigentlich Schach spielen. Denn im Schach ist sie unschlagbar.
Mallory Greenleaf hat die Schule abgeschlossen und sollte nun eigentlich wegziehen und studieren, wie andere es in ihrem Alter tun. Aber Mallory bleibt und versucht mit ihren schlecht bezahlten Jobs ihre Familie zu unterstützen: die beiden kleinen Schwestern und ihre kranke Mutter sind auf ihre Hilfe angewiesen. Ihr Vater ist vor einem Jahr ganz plötzlich gestorben. Mallory hatte eine besondere Beziehung zu ihrem Vater. Er war ein Schachgroßmeister. Von ihm hat Mallory das Schachspielen gelernt. Bereits als kleines Kind entwickelte sie eine besondere Begabung für dieses Spiel. Nach einem Bruch mit ihrem Vater hat sie das Schachspielen im Alter von 14 Jahren aufgegeben.
Als sie vier Jahre später das erste Mal wieder vor einem Schachbrett sitzt, tut sie es nur ihrer besten Freundin zuliebe. Es handelt sich um eine Wohltätigkeitsveranstaltung, bei der Spenden gesammelt werden. Viele große Schachspieler nehmen daran teil, auch der amtierende Weltmeister Nolan Sawyer. Mallory gewinnt jedes Spiel und sitzt am Ende Nolan gegenüber. Dieser wirkt zunächst unaufmerksam und unkonzentriert, schließlich spielt er gegen eine junge Frau, die sich noch keinen Namen in der Schachwelt gemacht hat. Aber Mallory spielt so unvorhergesehen anders, dass sie Nolan im Schach schlägt. Damit ist die Sensation perfekt. Mallory, ein unbeschriebenes Blatt in der Schachwelt, schlägt den besten Schachspieler der Welt. Vor lauter Schreck flüchtet Mallory nach dem Turnier.
Mallory will nie wieder Schachspielen – und das hat mit ihrem Vater zu tun, der sie und die Familie schwer enttäuscht hat. Doch nach ihrem überraschenden Sieg bietet man ihr ein Schachstipendium an. Mallory zögert. Sie könnte mit dem Schach Geld verdienen und ihre Familie besser unterstützen als mit ihren bisherigen Jobs. Mallory nimmt das Angebot an, aber sie setzt alles daran, dass ihre Familie nichts davon erfährt, denn ihre Mutter möchte nicht, dass Mallory Schach spielt. Also nimmt sie heimlich an den Turnieren teil. Ihr Doppelleben zu verheimlichen, wird immer schwerer, als Mallory weitere Spiele gewinnt und Zeitungen und Fernsehen über sie berichten. Und dann wäre da noch Nolan: extrem erfolgreich, extrem klug, extrem gutaussehend. Nolan möchte unbedingt noch einmal gegen Mallory spielen – aber Mallory weigert sich, versucht ihn zu ignorieren, aber immer wieder kreuzen sich ihre Wege. Ob Nolan seine Revanche bekommt?
Was ich von Check & Mate halte…
Diese Geschichte ist anders als „Love, theoretically“ oder die „Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe“. In den bisherigen Ali-Hazelwood-Romanen waren die Protagonisten älter, standen am Anfang ihrer beruflichen Karriere und trafen auf Menschen, die es bereits geschafft und sie – nach anfänglichen Mißverständnissen, unterstützt haben. Die Liebesgeschichten sind alle nach dem Prinzip Enemy-to-friends erzählt – und es knisterte nicht nur zwischen den Verliebten, sondern explizite Sexszenen sind oder waren das Markenzeichen von Hazelwood, was in den Buchrezensionen dann als „spicy“ betitelt wird.
Dies ist hier anders. Ja, Mallory kann Nolan zunächst nicht sonderlich leiden, aber es kursieren auch wilde Gerüchte über den Schachstar. Schon sehr schnell ist klar, dass Nolan ein netter Typ ist und sich beide zueinander hingezogen fühlen. Nolan wird als sexuell unerfahren dargestellt – er ist noch Jungfrau, obwohl sich ihm überall, wo er hinkommt, die Frauen an den Hals werfen. Mallory hingegen hatte bereits eine Menge sexueller Kontakte – sie nutzt Tinder und steht auf unverbindlichen Sex mit Männern oder Frauen. Dies alles wird nur erzählt, nicht ausgeschmückt. Es gibt keine expliziten Sexszenen. Und ob Nolan irgendwann seine Unschuld verliert? Das bleibt der Fantasie überlassen. Von daher kann dieses Buch wirklich als „Young adult“ durchgehen und ist im Gegensatz zu anderen Romanen der Autorin für Jugendliche durchaus zu empfehlen.
Das eigentliche Thema…
Der Roman erzählt die Geschichte vom Erwachsenwerden. Mallory muss sich von ihrer Familie lösen, ein Kindheitstrauma bearbeiten, sich klar werden, was sie will und eine Entscheidung treffen. Die Liebesgeschichte begleitet diese Entwicklung. In erster Linie aber geht es ums Schachspielen. Wer dieses Spiel nicht mag, sollte die Finger von dem Buch lassen. Ich fand es manchmal ermüdend, so detailreich und langatmig waren die Schachpassagen. Dafür hat die Autorin entweder selbst ein Faible für das Spiel oder sehr gut recheriert – ich nehme ihr das, was sie über die Schachwelt geschrieben hat, genauso ab (wobei natürlich Mallorys Erfolge aus dem Nichts der literarischen Fantasie geschuldet sind… so einfach, wie es hier beschrieben wird, ist es sicher nicht – aber es liest sich gut!). Es erinnert ein bißchen an den Hype um die Netflix Serie Das Damengambit (2020).
Fazit
Das Buch hat mich überrascht, weil es anders ist als andere Romane der Autorin. Vielleicht wollte Ali Hazelwood sich noch einmal neu erfinden. Das ist ihr gelungen. Auch wenn ich nicht so ein Schachfan bin, ist es ein interessanter Kontext für eine Geschichte. Mit den beiden Hauptfiguren bin ich nicht so ganz warm geworden. Vielleicht ist das dann doch eine Altersfrage… Manche „Probleme“ waren übertrieben aufgebauscht und ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Ansonsten muss ich sagen: Der Roman hat zwar nicht ganz meinen Geschmack getroffen, aber als Jugendbuch ist er durchaus zu empfehlen. Das Buch ist wunderschön gestaltet und hat einen bunten Farbschnitt – einziger Kritikpunkt: Die Gestaltung in Pastelltönen und einer Frau in einer Art Hochzeitskleid lässt an eine süßlich seichte Lovestory denken. Das wird der Story aber nicht gerecht. Wenn es denn Rosa oder Pink sein muss, dann nur in dem Sinn: Think pink! Mädchen bzw. Frauen sind stark und können sich in der Welt behaupten.
Hier gibt es den Link zum Buch – ich habe es allerdings mal wieder als Hörbuch gehört, daher auch das Beitragsbild. Hätte ich kein Hörbuch gehabt, hätte ich vermutlich die Schachpassagen nur überflogen…