Maja Göpel: Werte. Ein Kompass für die Zukunft

Werte zählen – Meine Gedanken zu Maja Göpels neuem Buch

Ich habe mich bewusst für Maja Göpels neues Buch entschieden – nicht für ein weiteres über das Klima. Warum? Weil ich, wie sie, den Eindruck habe: Beim Thema Klima machen gerade viele „dicht“. Zu komplex, zu anstrengend, zu kontrovers. Und doch ist klar: Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Klimaschutz beginnen nicht mit Technik, sondern mit Haltung. Mit Werten.

Genau da setzt Göpel an. Sie fragt nicht nur, was wir tun sollten, sondern warum wir es tun – oder lassen. Und sie tut das in einer Sprache, die zugleich fundiert und zugänglich ist. In Interviews hat sie betont, dass es ihr nicht um moralische Überlegenheit geht, sondern um Verständigung auf ein gemeinsames Fundament. Und genau das scheint brüchig geworden zu sein.

Denn wenn ich mich umschaue, sehe ich oft nur noch Lager. Jeder hat „seine Wahrheit“. Eine echte Debatte? Selten. Ob Klimaaktivistin oder Skeptiker*in – es geht viel zu oft ums Rechthaben, nicht ums Verstehen. Dieser Tunnelblick irritiert mich. Vielleicht, weil ich damit nicht aufgewachsen bin.

Ich bin ein Kind der 80er. Meine Jugend war geprägt vom Aufstieg der Grünen, dem Waldsterben, Tschernobyl, Gudrun Pausewangs Die letzten Kinder von Schewenborn – und natürlich von Gorbatschows Glasnost und Perestroika. Damals war klar, wofür man einstand: Menschenrechte, Demokratie, Umweltschutz. Keine „alternativen Wahrheiten“, sondern Überzeugungen. Und ein gewisses Vertrauen darauf, dass wir Dinge gemeinsam anpacken können.

Zurück zum Heute. Ich gehöre zu der Generation, die ihren Müll aufhebt statt liegen lässt. Die ihren Coffee-to-go-Becher im Rucksack hat und Müll trennt – auch wenn’s nervt. Aber ich frage mich immer öfter: Ist das eigentlich noch gesellschaftlicher Konsens? Oder leben wir längst nach dem Motto: Nach mir die Sintflut?

Göpels Buch ist keine einfache Antwort auf diese Frage. Aber ein Aufruf zum Gespräch. Zum Innehalten. Zur Orientierung. Was mir besonders gefallen hat: Sie zeigt, dass Werte nicht statisch sind – sondern kulturell geprägt, verhandelbar und gleichzeitig wirkmächtig. Wer sie benennt, gestaltet Zukunft.

In einem Interview sagt Maja Göpel dazu treffend:

„Wenn wir uns nicht mehr darüber verständigen, was uns wichtig ist, verlieren wir die Fähigkeit, gemeinsam zu handeln.“

Genau darum geht es. Und deshalb ist Werte auch kein weiteres Buch über CO₂-Ausstoß. Sondern eines über das, was unserem Tun vorausgeht: Haltung. Haltung ist nicht immer laut – aber sie wirkt. Und verändert.

Werte ist kein gemütliches Lesebuch für den Sonntag. Es ist ein Impulsgeber. Vielleicht sogar das Buch, das man lesen sollte, bevor man über Lösungen diskutiert. Weil es fragt: Was ist dir wirklich wichtig? Und was wäre möglich, wenn wir uns auf ein paar dieser Dinge wieder gemeinsam verständigen könnten?

Ich bin manche Diskussionen so leid. Immer wieder dieselben Sprüche: „1956 gab es auch schon einen heißen Sommer…“ Oder diese polemischen Schlagzeilen über „Windräder der Schande“. What???

Ich will meine Energie nicht mehr in solche Endlos-Debatten stecken. Der Klimawandel ist real. Punkt. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie wir handeln. Und was uns dabei leitet.

Denn das ist vielleicht das größte Problem: Es gibt im Moment kein gemeinsames Wir. Keine klare Wertebasis, auf die wir uns als Gesellschaft verständigen könnten. Zu viele leben in ihren eigenen Wahrheiten, ihren Filterblasen, ihren Abwehrreflexen. Das macht Austausch schwer – und Veränderung erst recht.

Und trotzdem: Ich wünsche mir dieses Wir. Nicht als Ideal, das alles auflöst, aber als Ausgangspunkt. Als offene Frage: Was ist uns wichtig? Was zählt für dich – und was für mich? Können wir darüber sprechen, ohne uns gleich in Lager zu sortieren?

Werte ist deshalb kein bequemes Buch. Aber ein notwendiges. Es fragt nach dem Fundament – nicht nach der fertigen Lösung. Und vielleicht liegt genau darin seine Kraft: Nicht, weil es ein „Wir“ behauptet. Sondern weil es zeigt, wie dringend wir eins brauchen.

Maja Göpel | Hannes Androsch

Werte

Ein Kompass für die Zukunft

SPIEGEL Bestseller, 224 Seiten

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