Heinz Strunk: Zauberberg 2
Nachdem ich Sommer in Niendorf wirklich großartig fand – und auch hier auf dem Blog darüber geschrieben habe – war meine Vorfreude auf Heinz Strunks neues Buch groß. Zauberberg 2, schon der Titel weckt hohe Erwartungen: eine Anspielung auf Thomas Manns Klassiker, aber natürlich ganz im Strunk-Stil.
Ich habe das Hörbuch gehört – brilliant gelesen vom Autor selbst. Allein dafür lohnt sich das Ganze schon. Diese trockene, lakonische Strunk-Stimme bringt selbst die alltäglichsten Beobachtungen zum Klingen und zeigt, wie absurd das Leben ist. Aber reicht das dieses Mal?
Die Geschichte: Jonas Heidkamp, Ende 30, Ex-Start-up-Mensch, landet nach einem gesundheitlichen Zusammenbruch in einer Rehaklinik in Mecklenburg. Dort wird er komplett durchgecheckt – alle Werte, alle Tests. Und das Bemerkenswerte: Eigentlich ist er kerngesund. Und trotzdem heißt es: Er muss bleiben. Auf unbestimmte Zeit. Diese absurde Situation erinnert natürlich an Thomas Manns Zauberberg, wo auch niemand so recht gesund wird – aber alle ewig bleiben. Nur dass es hier nicht in die Berge geht, sondern irgendwo in die norddeutsche Provinz.
Was mich wirklich gepackt hat: Ich habe mich in Heidkamp erschreckend oft wiedergefunden. Auch ich kenne diese diffusen Schmerzen, das „Irgendwas ist“ – aber niemand findet etwas. Bin ich schon Hypochonder? Oder sollte ich dem ernsthaft nachgehen? Heidkamps Grundverstimmung, sein Nachdenken über das Leben, das Nicht-mehr-ganz-Jungsein, die Müdigkeit – Steckt dahinter ein Burnout? Eine Depression? Oder einfach eine vorgezogene Midlifecrisis? Nichts von alldem?
Gleichzeitig hat der Roman für mich Schwächen. Vieles bleibt stückwerkhaft – eher eine Sammlung von Beobachtungen und Szenen als ein richtiger Spannungsbogen. Die Klinik wird zur Bühne für skurrile Charaktere und absurde Therapiesitzungen – das ist oft unterhaltsam, manchmal aber auch etwas zu ziellos.
Ich hätte mir mehr Entwicklung gewünscht – bei der Hauptfigur, in der Geschichte. Stattdessen bleibt man im Stillstand stecken – was ja wiederum auch das Thema des Buches ist. Diese bleierne Trägheit, das Gefühl, nicht vor und nicht zurück zu können.
Trotzdem: Wer Heinz Strunks Stil mag, wird vieles wiedererkennen. Und das Hörbuch kann ich wirklich empfehlen – brillant gelesen vom Autor selbst. Für mich war es ein etwas zwiespältiges Lese- bzw. Hörerlebnis: mit starken Momenten, aber auch einigen Längen.
Also, ab auf die Couch – am besten selbst lesen oder hören und sich ein Urteil bilden. Schließlich ist die Couch der Zauberberg unserer Zeit: Rückzugsort, Selbstdiagnose-Zentrale, Miniatur-Sanatorium für Körper und Geist.