Ein Satz rote Ohren
Gillian Anderson – die brillante, coole Therapeutin aus Sex Education – bittet Frauen aus aller Welt auf die imaginäre Couch. Ihr Thema: sexuelle Fantasien. Wünsche. Begierden. Und die Antworten? Sind mal wild, mal leise, mal politisch, mal poetisch – und auch manchmal irritierend.
Vorweg: Ich liebe Sex Education. Diese Mischung aus britischem Schulhumor, peinlichsten Momenten und überraschend tiefen Einsichten hat mich von Anfang an gepackt. Und mittendrin: Gillian Anderson als Dr. Jean Milburn. Sexualtherapeutin mit Stil, Haltung – und einem ordentlichen Päckchen eigener Themen. Partnerschaft? Schwierig. Mutterrolle? Komplex. Kommunikation? Nun ja, sie bemüht sich.
Umso neugieriger war ich, als ich von Want hörte – dem Buchprojekt, das Anderson gemeinsam mit Jennifer Nadel herausgegeben hat. 23 Texte von Frauen, die ehrlich darüber schreiben, was sie sich wirklich wünschen – für sich, für andere, fürs Leben. Keine Hochglanzträume, sondern rohe, persönliche Innenansichten.
Ich habe das Buch nicht chronologisch gelesen, sondern mich treiben lassen. Es ist nach Rubriken gegliedert – von „hart und bereit“ über „Macht und Unterwerfung“ bis „sicher und geborgen“. Ich bin nach Lust und Laune hineingesprungen. War neugierig. Manchmal irritiert. Und nicht selten peinlich berührt. Denn manche Texte sind so offen, dass mir beim Lesen die Röte ins Gesicht stieg. Ich fühlte mich wie eine Voyeurin – und war gleichzeitig berührt vom Mut, sich so unverstellt mitzuteilen.
Was Want so besonders macht: Es geht nicht um heiße Bettgeschichten à la Groschenroman. Es geht ums Innere. Um das, was wir oft nicht aussprechen. Um Fantasien, Sehnsüchte, verborgene Bedürfnisse – ehrlich, widersprüchlich, verletzlich.
Und ja, ich habe mich beim Lesen gefragt: Was sind eigentlich meine Fantasien? (Ich Langweilerin…) Aber genau das ist der Effekt dieses Buches. Es wirkt nach – weil es einen dazu bringt, sich selbst ernst zu nehmen.
Was ich besonders schätze: den Mut, das Private politisch zu machen – ohne Lautstärke, ohne Moralkeule. Einfach durch das Teilen. Anderson selbst sagt im Vorwort:
„Wir wollten Frauen Raum geben, ehrlich zu sein, neugierig zu sein, schamlos zu sein. Die Texte, die dabei entstanden sind, sind radikal – weil sie echt sind.“
Genau das trifft es. Want ist kein Buch, das man wegliest und abhakt. Jetzt steht es in meinem Regal – wie ein kleiner Reminder, immer mal wieder hinzuhorchen: Was will ich eigentlich?